Josef Wund Stiftung gGmbH | Königstraße 26 | D - 70173 Stuttgart

Rund um den Weltwassertag - #5

Der Weltwassertag nimmt das Leitthema unserer Stiftung in den Blick: Wasser. Deshalb nehmen wir den Undine Award und seine bisher neun Preisträgerinnen mit ihren Zukunftsideen und Fortschritten in den Blick mit einer Reihe von Geschichten. Heute erzählen wir vom Gewinner des Undine Award 2023 – Kategorie Lebensfreude – WassAHR.

Das Projekt WassAHR
Am Wasser im Ahrtal mit traumatisierten Kindern, Jugendlichen und jetzt auch Erwachsenen

Sommer 2021. Nach der Hochwasserkatastrophe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli, bei der im Ahrtal mindestens 136 Männer, Frauen und Kinder gestorben sind, hatten (und haben) ungezählte Menschen schon beim Gedanken an Wasser oder gar an Kanufahren ein mulmiges Gefühl. Viele waren beziehungsweise sind traumatisiert, speziell die Kinder und Jugendlichen, sagt Frauke Weller.

Die Sozialpädagogin, die in einer Schule für Kinder mit Behinderung arbeitet, ist die Jugendwartin des WSV Sinzig, einem Verein mit rund 130 Mitgliedern. Ihre beiden Söhne Julius und Justus sind von klein auf euphorische Paddler. Doch auch die zwei Weller-Kinder wollten nach dem 15. Juli zunächst nichts mehr vom Kanufahren wissen. Wenn Frauke Weller von der Hochwasser-Nacht erzählt, in der ihre eigenen Eltern nur ganz knapp vor dem Ertrinken gerettet werden konnten, dann kämpft sie mit den Tränen. Vereinsmitglieder sind in den Wassermassen gestorben.

Nach der Flut engagierte sich die gut vernetzte Sozialpädagogin spontan bei der Betreuung von Kindern im Jugendhaus Sinzig, mit anderen organisiert sie unmittelbar nach der Katastrophe Freizeitangebote. Sie erzählt: „Alle wussten damals: Wir müssen raus aus dem Flutgebiet - die Bilder müssen aus den Köpfen.“ Traumatherapeuten und Erlebnispädagogen helfen - auch bei der Erarbeitung des Projekts WassAHR des WSV Sinzig, das knapp zwei Jahre später mit dem Undine Award der Josef Wund Stiftung ausgezeichnet wird und 20.000 Euro für die weitere Arbeit bekommt.

Seit der Flut sind fast vier Jahre vergangen. Frau Weller sagt: „Wir haben ganz viele betroffene Kinder noch gar nicht erreicht.“ Zunächst, so Frauke Weller weiter, seien sie und die anderen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer von einem „kurzen, knackigen Projekt“ ausgegangen. Bald indes sei klar gewesen: „WassAHR ist kein Sprint sondern ein Marathon - und jetzt wissen wir: Es wird ein Ultralauf.“

Seit der Auszeichnung mit dem Undine Award sei viel passiert, erzählt Frauke Weller. WassAHR arbeitet nun auch mit Erwachsenen und mit Familien. Man kooperiert mit der Lebenshilfe Sinzig, im Rahmen dieses „inklusiven Paddelns“ werden Menschen mit Behinderung auf die Special Olympics vorbereitet, die Spiele für Menschen mit Handicap. Seit 2024 bildet WassAHR auch Übungsleiter-Helfer aus, die selbst Einschränkungen haben. Zudem gibt es seit kurzem auch Angebote für Frauen aus Zuwandererfamilien.

Mit Unterstützung der Josef Wund Stiftung wurde eine Kajak-Slalom-Strecke auf der Ahr gebaut, auf dem Fluss, der die verheerende Flut gebracht hat. „Die Kinder haben jetzt auf der Ahr ihren Spaß!“, sagt Frauke Weller. Spaß! AUF der Ahr! Was für eine Erfolg! Während der Tage und Wochen nach der Katastrophe wäre das undenkbar gewesen, viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene hatte eine höllische Angst speziell vor dem Ahr-Wasser. „Jetzt trainieren wir das ganze Jahr - auf dem Rhein und auf der Ahr“, so Frau Weller weiter. Das neue Inklusions-Ausbildungszentrum des Vereins sei bundesweit das erste, das vom Deutschen Kanuverband unterstützt wird.

www.wsv-sinzig.de/wassahr/

Undine Award 2023 WassAhr

Foto: Preisverleihung 2023 an Frauke Weller und ihr Team von WassAHR